Die frühesten Spuren der chemischen Zensur in den Akten der stellvertretenden Generalkommandos habe ich in Stuttgart gefunden. Dort berichtet am 22. Dezember 1916 ein Hauptmann d.L. Maile über seine Teilnahme am Lehrgang zur chemischen Entwicklung von Geheimschriften in Berlin vom 18. und 19. Dezember 1916. Der Bericht endet mit dem Absatz:
"Bei einer sich hieran anschliessenden Aussprache wurde in Aussicht gestellt, dass die für die Prüfung auf Geheimschriften erforderlichen Apparate und Chemikalien samt Anleitungen sowie die neuen Schwärzmittel den Postüberwachungsstellen durch den Generalstab im Laufe des Monats Januar unentgeltlich geliefert würden."
Die Postüberwachungsstelle Emmerich führt am 3. Januar 1917 in ihrer Personalliste zum ersten Mal eine Abteilung der chemischen Zensur, die mit 2 Mann besetzt war. Ob die Prüfer dann schon gearbeitet haben, oder erst noch mit dem Aufbau der Abteilung beschäftigt waren, geht aus dem Bericht nicht hervor.